Bremer Frauenausschuss

Der Bremer Frauenausschuss e.V. – Landesfrauenrat Bremen (bfa)
ist ein gesellschaftlich anerkannter, überparteilicher und überkonfessioneller Dachverband von aktuell mehr als vierzig Frauenorganisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen des Landes Bremen. Er ist von allen Landesfrauenräten der älteste in Deutschland.

Der Bremer Frauenausschuss arbeitet mit dem Senat und der Bremischen Bürgerschaft zusammen. Als Teil seiner Arbeit in Bremen versteht er

  • regelmäßige Veranstaltungen mit den Mitgliedsverbänden zu aktuellen frauenpolitischen Themen;
  • den Aufbau und die Pflege von Frauennetzwerken;
  • öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Mit Eingaben an die Parlamente und Ministerien auf Bundesebene wie auf Ebene des Landes Bremen will der Bremer Frauenausschuss dafür Sorge tragen, dass die Anträge einzelner Verbände als politische Willensbekundung weitergetragen werden an die verantwortlichen Stellen. Breitere öffentliche Beachtung in Bremen fand in jüngerer Zeit die jährliche Auszeichnung einer Bremer "Frau des Jahres" durch den Frauenausschuss im Rahmen einer Feierstunde in Rathaus oder Bürgerschaft am Internationalen Frauentag.

Historisches

"Wir rufen euch Frauen zu: Steht nicht vergrämt beiseite! Kommt und helft! Es geht um euer Lebensglück, es geht um eure Kinder!"

 
Mit diesem eindringlichen Appell gingen die Gründerinnen des Bremer Frauenausschusses im März 1946 an die Öffentlichkeit. Aktive Frauen, die sich zusammengeschlossen hatten um am Wiederaufbau ihrer Stadt tatkräftig mitzuwirken. Sie appellierten in einem Zeitungsartikel an ihre Geschlechtsgenossinnen, sich einzumischen.

Gründungs- und Vorstandsmitglieder waren partei- und verbandpolitisch erfahrene Frauen, die alle schon vor 1933 in der alten Frauenbewegung aktiv waren: die Gewerkschafterin Irmgard Enderle, die Sozialdemokratin Anna Stiegler, die Kommunistin Käthe Popall, die vor 1933 und nach 1945 in liberalen Parteien organisierten Frauen Agnes Heineken und Elisabeth Lürssen und darüber hinaus Anna Klara Fischer und Charlotte Niehaus.

Der Frauenausschuss erhob umfassende Forderungen nach politischer und praktischer Gleichberechtigung der Frauen. Gleichzeitig lag im Sinne der alten Frauenbewegung eine starke Betonung auf der traditionellen Frauenrolle als Mutter innerhalb der Familie und dem "Dasein für andere".

In den ersten Jahren war das Engagement des Bremer Frauenausschusses stark auf die Überlebensarbeit der Bremerinnen in Not und dem Aufbau in der Nachkriegszeit gerichtet.

Bereits im September 1946 bekam der Frauenausschuss ein eigenes Büro im Rathaus, wo er eine öffentliche Sprechstunde abhalten konnte. Als Mittler zwischen Bevölkerung und Behörden oder Politik nahm der Frauenausschuss unter anderem auf wichtige praktische Vorgaben des Sozialen Wohnungsbaus in Bremen Einfluss.

1949 wurde der Bremer Frauenausschuss Mitglied im Deutschen Frauenring, einem Zusammenschluss von Frauenorganisationen in den westdeutschen Bundesländern.

Mit dem Ende des Wiederaufbaus und den darauffolgenden Zeiten wirtschaftlicher Blüte zeigten sich zunehmend die Grenzen der überparteilichen Arbeit. In kontroversen politischen Fragen konnte der Ausschuss nicht mit einer Stimme sprechen und verlor in dieser Phase zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung – SPD und DGB traten zeitweise aus dem Verband aus.

Anfang der 1970er Jahre, als sich die neue Frauenbewegung in Bremen formiert hatte, wurde sie zunächst kaum von den Frauen des Bremer Frauenausschusses wahrgenommen. Desgleichen taten sich die Aktivistinnen der neuen Frauenbewegung lange schwer damit, die Leistungen der alten Frauenbewegung anzuerkennen. Beide existierten bis in die 80er Jahre hinein weitgehend ohne gegenseitigen Austausch nebeneinander. Im Verlauf der 1990er Jahre entspannte sich das Verhältnis trotz bestehender Vorbehalte und verschiedene Organisationen und Gruppierungen der neuen Frauenbewegung traten dem Bremer Frauenausschuss bei.